Zeit des Menschen, Zeit der Erde

Wie lang sind 100 Jahre, 10.000 Jahre oder gar eine Million Jahre? Und wie alt ist die Erde?

In dieser mehrteiligen Blogreihe begeben wir uns auf eine Reise zum Verständnis der geologischen Tiefenzeit. Sie beginnt noch innerhalb eines Zeithorizonts, den wir Menschen zumindest ansatzweise erfassen können. Wir schauen uns zunächst Veränderungen der Erde an, die – geologisch gesehen – vergleichsweise rasch ablaufen. Dazu gehört die Entstehung und das Verschwinden von Seen oder die Verlagerung von Flussläufen.

Aus der Perspektive eines Menschenlebens oder weniger Generationen scheinen solche Landschaften nahezu unveränderlich. Doch sobald wir den Zeithorizont auf historische Zeiträume oder das gesamte Holozän ausdehnen – einen Zeitraum von wenigen Jahrtausenden –, werden Veränderungen sichtbar. Im Vergleich zu den Zeitskalen geologischer Prozesse wie der Entstehung und Abtragung von Gebirgen oder der Kontinentaldrift sind solche Veränderungen jedoch wiederum nur ein Wimpernschlag. Mit jedem Kapitel arbeiten wir uns weiter in die Vergangenheit und zu größeren Zeitskalen vor, bewegen uns immer mehr in unbekanntes Terrain. Schritt für Schritt nähern uns den unvorstellbaren zeitlichen Dimensionen der Erdgeschichte – der geologischen Tiefenzeit.

Wir werden auch in die zeitliche Tiefe der Zukunft vordringen, um die gewaltigen Zeiträume der Prozesse zu erfassen, die der Mensch durch das Verbrennen fossiler Ressourcen in Gang gesetzt hat – Prozesse, die das Leben unzähliger zukünftiger Generationen verändern und den Planeten für Hunderttausende bis Millionen von Jahren verändern werden. (English translation)

Nachthimmel über einem ruhigen See: Sternbahnen spiegeln sich symmetrisch im Wasser. Da die Kamera direkt nach Norden ausgerichtet und der Horizont mit der Baumreihe am gegenüberliegenden Ufer mittig platziert wurde, zeichnen die Sternbahnen zwei konkav gewölbte Kreisbögen, die sich im See spiegeln. / Night sky over a calm lake: Star trails are reflected symmetrically in the water. Because the camera was pointed directly north and the horizon with the tree line on the opposite shore was placed in the center, the star trails form two concavely curved circular arcs that are mirrored in the lake.
Sternbahnen des Nordhimmels über dem Lac de la Maix in den Vogesen. Der See entstand am Ende der letzten Eiszeit – diese Landschaft ist also nur wenige Jahrtausende alt. Die Sternbahnen stehen für die zyklische Zeit: Die Erdrotation führt zur regelmäßigen Bewegung der Sterne, hier in einer Langzeitbelichtung sichtbar. Die damit verbundene Zeitmessung ist untrennbar mit der Entwicklung unserer Zivilisation im Holozän verknüpft und regelt unser Leben auf der Erdoberfläche. (English translation)

Blog series

1 Einführung und Vortrag / Introduction and presentation (only in German)

2 Der menschliche und der geologische Zeithorizont / The human and the geological time horizons

3 Das Holozän: Seen aus der Eiszeit / The Holocene: ice age lakes

4 Gedächtnis der Erde – Seen als Landschaftsarchive / Memory of the Earth – lakes as landscape archives